http://www.lebensministerium.at

Lebensministerium.at

Servicelinks

Hauptnavigation

Themenrelevate Infonetlinks

Suche



Standort

Inhalte

5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von E85 unterzeichnet

Wichtiger Mosaikstein zur Einführung von erneuerbaren Kraftstoffen

(BMLFUW/AIZ) Lebensministerium, Agrana, Landwirtschaftskammer Österreich, die Vereinigung der österreichischen Rübenbauern, RWA AG, OMV, Ford, Volvo und General Motors haben heute ein 5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von Superethanol (E85) als Treibstoff unterzeichnet. "Es erfüllt mich als Umwelt- und Landwirtschaftsminister mit großer Freude, dass ein weiterer Mosaikstein zur Einführung von erneuerbaren Kraftstoffen gelegt worden ist", betonte Ressortchef Josef Pröll heute bei einem Pressegespräch in Wien. Dies sei nicht nur gut für die Einkommen in der Landwirtschaft, sondern auch für die Bewältigung der Herausforderungen im Klimaschutz. Dafür sei ein breiter Maßnahmen-Mix notwendig. Besonders erfreulich sei, dass sich sowohl Rohstoffproduzenten als auch Verarbeitungs- und Autoindustrie sowie Tankstellen an dem Aktionsprogramm beteiligen würden, meinte Pröll. Die Kette sei somit geschlossen.

Pröll: Mit Superethanol CO2-Emissionen entgegenwirken
 
Superethanol (E85) besteht zu 85% aus Bioethanol und zu 15% aus Benzin. Bioethanol ist weitestgehend CO-neutral. Bei der Verbrennung wird - anders als bei fossilen Kraftstoffen - nur so viel Kohlendioxid abgegeben, wie die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Atmosphäre gebunden haben. Jeder Liter verbrauchtes Bioethanol erspart der Umwelt rund 2 kg CO. Der Einsatz von Bioethanol trägt somit zur Reduktion des Treibhausgaseffektes bei. Wie Pröll darlegte, ist speziell der Kohlendioxid-Ausstoß des Verkehrs zwischen 1990 und 2005 um 93% gestiegen. "Wir stehen dem nicht machtlos gegenüber, sondern wollen mit Superethanol entgegenwirken", so Pröll.
 
Österreichs Vorreiterrolle in der EU
 
Österreich nimmt bei der Einführung von Biokraftstoffen in der EU eine Vorreiterrolle ein. Schon seit 01.10.2005 müssen 2,5% der im Verkehr eingesetzten Otto- und Dieselkraftstoffe durch Biotreibstoffe energetisch ersetzt werden. Ab 01.10.2007 beträgt die verpflichtende Substitution 4,3%. Dieser Prozentsatz wird sich genau ein Jahr später auf 5,75% erhöhen. Die EU-Biokraftstoffrichtlinie wird somit bereits zwei Jahre früher als vorgegeben umgesetzt. Laut Regierungsprogramm soll im Jahr 2010 ein Anteil von 10% und 2020 von 20% erreicht werden. Pröll hat zudem bereits im Juni 2006 ein 5-Punkte-Aktionsprogramm mit der OMV zur Forcierung von Erd- und Biogas unterzeichnet. Mit dem nun fixierten E85-Aktionsprogramm soll eine zusätzliche, weitgehend "erdölunabhängige Perspektive für die Kraftstoffproduzenten, aber auch für Automobilhersteller" geschaffen werden. Ein Beitrag der Regierung sei auch die Steuerfreiheit für den 85%igen, biogenen Anteil des Superethanols.
 
Aufbau eines E85-Tankstellen-Netzes
 
Ein wesentliches Ziel des Aktionsprogramms ist es, in naher Zukunft ein Netz an E85-Tankstellen aufzubauen. OMV und RWA AG/Genol wollen zunächst jeweils 15 Tankstellen auf Superethanol umstellen, wie Wolfgang Ruttenstorfer, Generaldirektor der OMV Aktiengesellschaft, betonte. Der Preis für E85 soll dabei unter dem Benzinpreis liegen, da mehr getankt werden muss, um die gleiche Strecke fahren zu können. Neben den positiven Effekten für Umwelt und Wirtschaft liefert Superethanol aber auch Fahreigenschaften, die mit denen des Diesels verglichen werden können, nämlich eine 15 bis 20% höhere Leistung und ein höheres Drehmoment als im Benzinbetrieb. Bis 2010 sollen alleine von OMV und Genol insgesamt 100 Tankstellen umgestellt werden. "Wir gehen davon aus, dass die anderen Marktteilnehmer rasch nachziehen werden", so Ruttenstorfer.
 
Ford, General Motors und Volvo bieten Flexi-Fuel-Fahrzeuge an
 
Um Superethanol (E85) verwenden zu können, bedarf es spezieller Adaptierungen am Kraftstoffsystem der Autos. Ford, General Motors und Volvo bieten in Österreich bereits sogenannte Flexi-Fuel-Fahrzeuge an, die sowohl mit herkömmlichem Benzin als auch mit E85 betrieben werden können. "Kunden, die sofort auf ein Flexi-Fuel-Fahrzeug umsteigen wollen, können vorerst problemlos mit Benzin fahren, bis in Österreich eine flächendeckende Distribution von Ethanol sichergestellt ist, um dann nahtlos auf den umweltfreundlichen Kraftstoff zu wechseln", so Fritz Schmutzhart, Generaldirektor von Ford Austria. Um die Markteinführung dieser Flexi-Fuel-Fahrzeuge zu unterstützen, bieten die drei Autohersteller noch zusätzliche Vergünstigungen bei einem Neuerwerb an.
 
Agrana: Hochwertiges Eiweiß-Futtermittel als Nebenprodukt
 
Wesentlich an der Markteinführung von Superethanol mitbeteiligt ist die Agrana, deren Bioethanol-Werk in Pischelsdorf im Herbst 2007 in Betrieb gehen soll. Wie der Vorstandsvorsitzende der Agrana-Gruppe, Johann Marihart, darlegte, wird das Werk eine Kapazität von bis zu 240.000 m Ethanol haben und somit bis zu 480.000 t CO einsparen. "Das entspricht ungefähr der Menge, die für eine 10%ige Beimischung benötigt wird", so Marihart. Verwendet werden sollen in erster Linie österreichische Rohstoffe wie Mais, Weizen und Zuckerrübendicksaft. Als Nebenprodukt entsteht ein hochwertiges Eiweißfuttermittel, das riesige Mengen an Sojaschrotimporten substituieren kann.
 
Schwarzböck: Zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung
 
Rudolf Schwarzböck, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, betonte, dass die neue Entwicklung hin zu Biotreibstoffen somit nicht nur Vorteile für die Umwelt und die Wirtschaft, sondern auch für den Agrarsektor hat. Frühere Exporte von Getreide, Mais und Zucker, die durch das Wegfallen von EU-Exportstützungen unmöglich gemacht würden, könnten nun in anderen Bereichen sinnvoll eingesetzt werden. Schwarzböck bezeichnete den Superethanol-Einsatz als "neues Instrument für eine in die Zukunft gerichtete Agrarpolitik" und gleichzeitig als "Möglichkeit, den hohen Ansprüchen der Konsumenten gerecht zu werden". Das 5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von E85 als Treibstoff sei "zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung, damit die Landwirtschaft auch weiterhin ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Zukunft sein kann".

gerhard.popp@lebensministerium.at

24.04.2007,