Erlebbare Forst-Kultur: KÖHLEREI
- ForstKultur-Initiative.... - von Wald, Holz-Kohle & Mensch; gestern - heute - morgen !
In Zusammenarbeit der ForstKultur-Initiative des Lebensministeriums, mit dem Europäischen Köhlerverein - EKV (e.V.) mit Sitz in Deutschland (Europäisches Köhlertreffen 2005), der IUFRO-Forschungsgruppe 7.06.00 - Forst- und Waldgeschichte unter Führung von Frau Dr. Elisabeth JOHANN, sowie des Fachausschusses Forstgeschichte des Österreichischen Forstvereines, der NÖ. Landeslandwirtschaftskammer, BBK Wiener Neustadt; dem Verein Waldpädagogik Gutenstein und dem Waldbauernmuseum Gutenstein, sowie einer großen Zahl weiterer (inter-)nationaler Partner fand in der Gemeinde Rohr diese große Impulsveranstaltung "ROHRER INTERNATIONALE KÖHLEREITAGE" -statt.
Diese waren für die österreichischen Köhlereibetriebe und auch die Region Schneebergland-Piestingtal eine höchst willkommene Gelegenheit, für
• forstliche und forstkulturelle Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit;
• die Präsentation (inter-)nationaler Köhlereiaktivität im Rahmen der Österreichischen ForstKultur-Initiative (MCPFE - Vienna resolution 3);
• die Präsentation der Strukturen und touristischen Möglichkeiten in der Gemeinde Rohr und Region für (inter-)nationales Publikum
• die Nutzung der Chance durch zusätzliche Deckungsbeiträge längerfristig einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Sicherung des ländlichen Raumes leisten zu können;
• den Beginn weiterer Schritte in der positiven Strukturentwicklung der Region.
Informationen per e-mail: gemeinde@rohrimgebirge.at
Eine Entwicklung welche bis heute anhält und ihre positiven regionalen Auswirkungen auch in Zukunft haben kann. Dem Gast stehen auch die neu angelegten Themenwege "Mythen & Sagen" sowie "Wald & Wasser" zur Verfügung. Auch hier wird das Thema anschaulich (Schaumeiler) dem Gast nähergebracht.
Die Gemeinde Rohr im Gebirge kann durch ihre Geschichte aber auch durch ihre hohe Waldausstattung als Beispiel für "gelebte" Forst-Kultur gelten.
Die Lage im Quellgebiet der Schwarza, ein nur vom Süden her schwer zugängliches Tal, bewirkte, dass erst sehr spät eine Besiedelung erfolgte. 1194 kam das Gemeindegebiet an das Herzogtum Steyr und lag somit südlich der österreichischen- steirischen Grenze, die talaufwärts entlang der Piesting zum Unterberg und sodann nördlich und westlich von Rohr über Gippel und Göller weiter verlief.
Die Vereinigung der Herzogtümer Österreich unter der Enns und Steiermark brachte mit dem Bau der Burg Gutenstein, 1220 erstmals urkundlich erwähnt, Rohr in den Einfluss der landesfürstlichen Herrschaft Gutenstein. Bis zum Jahre 1848 war das Verwaltungs- und Gerichtszentrum. Die Bevölkerung von Rohr lebt(e), besonders seit dem 13. Jahrhundert, von der Holzwirtschaft. Es wurden Holzkohle und viele Holzwaren erzeugt. Die erste schriftliche Erwähnung der Holzverarbeitung erfolgte 1244 in einem Mautbrief. Diese Produkte wurden vor allem auf dem Holzmarkt in Wr. Neustadt abgesetzt. Sie wurden gegen Güter des "täglichen" Bedarfes, nämlich Getreide, Salz und Wein getauscht.
Das im Jahr 1569 angelegte Urbar der Herrschaft Gutenstein verzeichnet im Amt Rohr 35 Gehöft- und Siedlungsnamen, wobei der Ort Rohr mit 26 Hofstätten ein lokales Zentrum bildete. 1595 erwirbt Hoyos die Herrschaft Gutenstein. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nahm die Holzgewinnung einen ungeheuren Aufschwung. Hinzu kam eine blühende Eisenverarbeitung, die Holzkohle und Wasserkraft nutzte. Auch die Lohgewinnung war von großer Bedeutung, ebenso die Kalkbrennerei. Die Holzkohlenerzeugung reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei Ausgrabungen an den Südhängen der Rax noch viel ältere Belege erbrachten. Bedingt durch das Aufblühen der Eisengewinnung im 18 Jahrhundert. suchte der Großteil der hiesigen Gebirgsbewohner seinen Erwerb bei der Kohlenbrennerei. Dies führte gegen Ende des 18. Jahrhundert zu massivem Holzmangel.
In den letzten drei Jahrzehnten vollzogen sich auch in Rohr wesentliche Veränderungen. Die Verdienstmöglichkeiten, an denen viele Jahrhunderte festgehalten wurden, mussten durch die moderne Technik endgültig aufgegeben und andere Erwerbsquellen gefunden werden.
Die Bauernhöfe entwickelten sich allmählich zu reinen Familienbetrieben. Sie spezialisierten sich auf Viehzucht (Rinderhaltung) und Milchwirtschaft und versuchen in der Fremdenverkehrswirtschaft eine neue Einnahmequelle zu finden. Der Ausbau zu einem zeitgemäßen Erholungsort mit den erforderlichen Einrichtungen, z. B. Schiliften, wird seitens der Gemeinde vorangetrieben. Viele Bewohner Rohrs, für die sich keine Existenzgrundlage bietet, sind gezwungen, in benachbarten Orten eine Beschäftigung zu finden.
Der Holzmangel ist mittlerweile behoben. Die Waldausstattung der Gemeinde Rohr liegt derzeit bei 90 % (7.250 ha Wald von insgesamt 8.059 ha). Rohr ist heute als relativ strukturschwacher Ort nicht nur bekannt als Wintersportort der Voralpen, als Tagesausflugsziel (für Motorrad-Fahrer) - sondern auch für seine Kohlenmeiler. Vier bäuerliche Familien üben die Köhlerei noch als bäuerliches Nebengewerbe aus.
29.02.2008, Lebensministerium IV/4


